GrenzenloserForscher-
drang

Bei Merck steht der Patient im Mittelpunkt. Deshalb investieren wir hohe Summen in neue Therapien – zum Beispiel zur besseren Behandlung von Krebs oder Multipler Sklerose (MS). In unseren Forschungs- und Entwicklungszentren in Darmstadt, Boston, Peking und Tokio vernetzen rund 3.000 Mitarbeiter ihre weltweiten Aktivitäten zum Wohl der Patienten.

Schon früh erwachte in der Apothekerfamilie Merck der Forschergeist. So befasste sich etwa Emanuel Merck im 19. Jahrhundert intensiv mit pflanzlichen Naturstoffen. Es gelang ihm, Alkaloide wie Morphin in reiner Form zu isolieren. Als er im Jahr 1827 über sein „Pharmaceutisch-chemisches Novitäten-Cabinet“ erstmals diese Wirkstoffe anbot, war dies ein Quantensprung – von der Apotheke zum forschungsbasierten Pharma- und Chemieunternehmen. Schon bald umfasste das Portfolio hunderte Produkte, zum Beispiel ab 1894 das innovative Schilddrüsenpräparat Thyreoidinum siccatum. Und bis heute ist die Erforschung und Entwicklung innovativer Arzneimittel zum Wohl der Patienten bei Merck von elementarer Bedeutung. Dabei forscht Merck längst rund um den Globus. Das gilt in besonderer Weise für die vier eng vernetzten, auf drei Kontinenten verteilten Forschungs- und Entwicklungszentren des Merck-Unternehmensbereichs Healthcare.

„Bis zur Genehmigung eines neuen Medikaments in den einzelnen Märkten ist es ein langer Weg.“

Bodo HammesLeiter der globalen Zulassungsstrategie für Mavenclad®
1500

Wissen­schaftler und klinische Forscher iM F&E-Zentrum in Darmstadt

MS-Medikament Mavenclad® zugelassen

Mehr als 1.500 Wissenschaftler und klinische Forscher arbeiten in unserem F&E-Zentrum am Merck-Hauptstandort in Darmstadt. Bodo Hammes ist einer von ihnen. Der 43-Jährige ist zwar Pharmazeut, arbeitet jedoch nicht im Labor. Hammes beschäftigt sich vielmehr mit der regulatorischen Strategie zur behördlichen Genehmigung der von Merck entwickelten Arzneimittel. Dabei ist er für die Bereiche Immunologie und Neurologie verantwortlich und konzentriert sich derzeit auf das MS-Medikament Mavenclad® (Cladribin-Tabletten). Im Jahr 2017 erhielt Merck für dieses neue Medikament zur Behandlung von schubförmiger ­Multipler Sklerose die Zulassung in der Europäischen Union, in Kanada und in Australien – ein großer Erfolg. Multiple Sklerose zählt zu den häufigsten chronischen neurologischen Erkrankungen – weltweit sind rund 2,3 Mio.

ca. 2.3

MIO. Menschen weltweit leiden an MS

Menschen betroffen. „Bis zur Genehmigung eines neuen Medikaments in den einzelnen Märkten ist es ein langer Weg. Auf der Zielgeraden ist die intensive Zusammenarbeit mit den Zulassungsbehörden daher besonders wichtig – wir wollen ja, dass die Patienten möglichst bald von effektiven neuen Behandlungen profitieren können“, sagt Bodo Hammes. Zunächst müssen die Pharmaforscher einen Wirkstoffkandidaten identifizieren, der anschließend in der präklinischen Entwicklung ausgiebigen Labortests unterzogen wird. Nur wenn die präklinischen Untersuchungen erfolgreich waren, folgt die in drei Phasen unterteilte klinische Entwicklung und die Erprobung am Menschen. Die Entwicklung eines Medikaments von der ersten Idee bis zur endgültigen Zulassung dauert etwa 13 Jahre. Für die Marktzulassung von Mavenclad® wurden Daten von über 10.000 Patientenjahren mit rund 2.400 Patienten berücksichtigt, die in das klinische Studienprogramm eingebunden waren. Darunter befanden sich Patienten mit einer Nachbeobachtungszeit von bis zu acht Jahren. Die Behörden prüfen die Studiendaten sehr genau und wägen das Nutzen-Risiko-­Verhältnis des Medikaments ab.

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„Wir spielen Schach gegen den Krebs. Er ist ein harter Gegner, aber mit einem klugen Zug können wir viel für die Patienten erreichen – und das ist das Wichtigste.“

KIN-MING LOLeiter Redirected Immunotherapy

Das Merck-Dossier für Mavenclad® umfasst mehr als 200.000 Seiten – von den exakten Herstellungsinformationen über etliche Studienergebnisse, Tabellen und Quellenangaben bis hin zum Beipackzettel. „Um ein so großes Projekt zu stemmen, braucht man ein extrem kompetentes und passioniertes interdisziplinäres Team. Das haben wir, und ich bin stolz, ein Teil davon zu sein“, sagt Bodo Hammes lächelnd.

350 Jahre Merck

1777 Erste immunolo­gische Versuche der Neuzeit

Der englische Chirurg James Nooth implantierte sich in der Hoffnung, eine Krebs­prophylaxe zu erzielen, Tumorgewebe eines Patienten in kleine Einschnitte seines Armes. Die Folgen? Entzündungen und leichte Schmerzen.

500

F&E-Experten in Boston

Bavencio®: Ein Schritt im Kampf gegen den Krebs

Dass man bei der Erforschung und Entwicklung neuer Medikamente viel Erfahrung und einen langen Atem braucht, weiß auch Kin-Ming Lo. Der aus Hongkong stammende Chemiker ist seit mehr als 30 Jahren als Wissenschaftler tätig und arbeitet im Forschungs- und Entwicklungszentrum Billerica, Massachusetts, in der Nähe von Boston. In dieser hochmodernen Anlage, die in den vergangenen Jahren deutlich erweitert wurde, arbeiten mehr als 500 Wissenschaftler auf den Gebieten Neurologie, Immunologie, Immunonkologie und Onkologie. Der Fokus der Immunonkologie liegt darin, bahnbrechende Immuntherapien gegen den Krebs zu entwickeln. „Wir spielen Schach gegen den Krebs. Er ist ein harter Gegner, aber mit einem klugen Zug können wir viel für die Patienten erreichen – und das ist das Wichtigste“, bringt Kin-Ming Lo seine Arbeit auf den Punkt. Und hier ist Merck in Zusammenarbeit mit Pfizer im Jahr 2017 einen bedeutenden Schritt vorangekommen: Das neue Krebsmedikament Bavencio® (Avelumab) wurde in den USA, in der Europäischen Union, in Japan sowie in der Schweiz und in Kanada für metastasiertes Merkelzellkarzinom, einen seltenen und aggressiven Hautkrebs, zugelassen. Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat Bavencio® darüber hinaus die Zulassung für die Behandlung von Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom (größtenteils Blasenkrebs) erteilt. Bei Bavencio® handelt es sich um einen humanen Antikörper, der spezifisch an ein Protein namens PD-L1 (programmierter Zelltod-Ligand 1) bindet. Dies ist die Kernkomponente eines immunsuppressiven Netzwerks, das die Fähigkeit von T-Zellen schwächt, Tumoren anzugreifen. Das klinische Entwicklungsprogramm umfasst rund 30 klinische Studien mit mehr als 7.000 Patienten, die in über 15 verschiedenen Tumorindikationen untersucht werden.

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„Wir nehmen den Grundstoff des Ausgangsmoleküls und verwandeln ihn Atom für Atom in ein Medikament. Bei Bavencio® haben wir zudem bestimmt, wie der Wirkstoff die Tumorzelle angreift, um das Abwehrsystem des Tumors zu deaktivieren.“

Vanita SoodLeiterin Strukturen und Design für Medikamente
7000

Patienten in 30 klinischen Studien

Neben metastasiertem Merkelzellkarzinom und Blasenkrebs sind dies unter anderem Brust-, Lungen-, Magenkrebs, Kopf-Hals-Tumoren, Eierstockkrebs und Nierenzellkarzinom. Zur erfolgreichen Entwicklung von Bavencio® hat auch Vanita Sood mit ihrem Team beigetragen. Die Expertin für Computerbiologie arbeitet sowohl in Billerica als auch am Merck-Hauptstandort in Darmstadt und beschäftigt sich mit der molekularen Realisierung von therapeutischen Ideen. „Wir nehmen den Grundstoff des Ausgangsmoleküls und verwandeln ihn Atom für Atom in ein Medikament. Bei Bavencio® haben wir zudem bestimmt, wie das Medikament wirkt, indem es die Tumorzelle angreift, um das Abwehrsystem des Tumors zu deaktivieren“, erklärt Sood. Derzeit arbeitet die Wissenschaftlerin an Methoden wie maschinellem Lernen und künstlicher Intelligenz. Das Ziel ist, aus den unendlich vielen Molekülen schneller diejenigen herauszufiltern, die sich zur Entwicklung von sicheren und wirkungsvollen Medikamenten eignen. Zurück zu Kin-Ming Lo. Seitdem der Chemiker an Bavencio® arbeitet, denkt er über eine Verbesserung des Wirkmechanismus nach: „Krebszellen nutzen vielfältige Wege, um der Entdeckung durch das Immunsystem zu entgehen. Wenn wir mehr als einen dieser Mechanismen unterdrücken, haben wir eine höhere Chance, den Krebs zu besiegen.“ Diese Überlegungen führten zur Entwicklung eines bifunktionellen Antikörper-Fusionsproteins und weiterer Kan­didaten in der Forschungs- und Entwicklungs-Pipeline von Merck.

„Es ist sehr stimulierend, in der Zusammenarbeit die unterschiedlichen Kulturen der Menschen kennenzulernen und von der gemeinsamen Arbeit zu profitieren.“

Ryoko MyiauchiCMC Senior Scientist

Zusammenarbeit im globalen Netzwerk

Doch zunächst freuen sich alle Beteiligten, dass Bavencio® zur Behandlung des Merkelzellkarzinoms in immer mehr Märkten zugelassen wird. So auch in Japan. Die Pharmazeutin Ryoko Miyauchi arbeitet seit elf Jahren im Forschungs- und Entwicklungszentrum Tokio, gelegen in einer eher ruhigen Gegend der Weltstadt. Mit ihren Kollegen hat sie daran mitgewirkt, dass Bavencio® als erster immunonkologischer PD-L1-Antikörper in Japan zugelassen wurde – und als erster im asiatischen Raum. Dass dies in kurzer Zeit geschah, ist keine Selbstverständlichkeit: Japan hat wie jeder andere Markt ganz spezifische Anforderungen in Bezug auf die Genehmigung von Arzneimitteln. „Um das japanische Dossier für Bavencio® zu erstellen, haben wir eng mit unserem globalen Netzwerk zusammengearbeitet. Es ist sehr stimulierend, dabei die unterschiedlichen Kulturen der Menschen kennenzulernen. Auf diese Weise haben wir nicht nur von der gemeinsamen Arbeit profitiert, sondern auch neue Freunde gefunden“, sagt Ryoko Miyauchi.

Pharma-Strategie für China

Diesen grenzübergreifenden Teamgeist kann Yue Huang nur bestätigen: „Nachdem ich fast 20 Jahre in den USA und in der Schweiz gelebt habe, bin ich in meine chinesische Heimat zurückgekehrt und freue mich, weiterhin mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zusammenzuarbeiten, die alle mit Begeisterung bei der Sache sind.“ Der Leiter der klinischen Pharmakologie von Merck in China kann die quirlige Metropole Peking aus dem 21. Stock des modernen Bürogebäudes, in dem sich das chinesische Forschungs- und Entwicklungszentrum von Merck befindet, gut überblicken. Auch Yue Huang befasst sich eingehend mit Bavencio® und der möglichen Zulassung des Medikaments in China. Ein weiterer Fortschritt betrifft das Krebsmedikament Erbitux® nach der positiven Phase-­III-Studie zur Erstlinienbehandlung von Darmkrebs in China. Die Forschungs- und Entwicklungsstrategie im Pekinger Zentrum konzen­triert sich darauf, das sich rasant entwickelnde wissenschaftliche und regulatorische Umfeld zu nutzen, um innovative und global etablierte Medikamente in China auf den Markt zu bringen. „Wir arbeiten daran, dass die große chinesische Bevölkerung früher und umfassender von unserer medizinischen Pipeline profitieren kann“, so Yue Huang.

Die Vision von Merck, möglichst vielen Menschen auf der Welt den Zugang zu innovativen Arzneimitteln zu ermöglichen, geht somit mehr und mehr in Erfüllung.

„Wir arbeiten daran, dass die große chinesische Bevölkerung früher und umfassender von unserer medizinischen Pipeline ­profitieren kann.“

YUE HUANGLeiter Klinische Pharmakologie China
350 Jahre Merck

1887 Erste Verkaufs­niederlassung in den USA

Das erfolgreiche Exportgeschäft in die USA führte 1887 zur Eröffnung einer eigenen Niederlassung in New York.