Forschung und Entwicklung

Wir erforschen und entwickeln weltweit Wege und Lösungen, um die Lebensqualität von Patienten zu verbessern und die Bedürfnisse unserer Kunden zu erfüllen. Dabei sind wir stets darauf bedacht, Relevanz und Effizienz unserer Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten weiter zu optimieren – ob im Alleingang oder in Kooperation mit Dritten.

Rund 6.800 Mitarbeiter forschen für Merck an Innovationen, mit denen wir die langfristigen Gesundheits- und Technologietrends sowohl in den etablierten Märkten als auch in den Wachstumsmärkten bedienen können.

Merck hat im Jahr 2017 rund 2,1 Mrd. € für Forschung und Entwicklung ausgegeben. Wir setzen in unserer Forschung und Entwicklung sowohl auf Eigenforschung als auch auf externe Kooperationen. Damit erhöht sich die Produktivität der Forschung und zugleich verringert sich der finanzielle Aufwand. Die organisatorische Aufstellung unserer Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten folgt der Struktur von Merck mit drei Unternehmensbereichen.

Healthcare

BIOPHARMA

Onkologie und Immunonkologie

2017 erreichten wir mit dem gemeinsam mit Pfizer entwickelten und vermarkteten Anti-PD-L1-Antikörper Avelumab eine Reihe wichtiger Meilensteine. Den ersten regulatorischen Erfolg erzielten wir im März, als die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) die Marktzulassung für Avelumab unter dem Markennamen Bavencio® für die Behandlung von Erwachsenen und Kindern ab zwölf Jahren mit metastasiertem Merkelzellkarzinom (MCC) im Rahmen eines beschleunigten Verfahrens auf Basis des Tumoransprechens und der Ansprechdauer erteilte. Die Aufrechterhaltung der Zulassung in dieser Indikation kann vom Nachweis und von der Beschreibung des klinischen Nutzens im Rahmen von konfirmatorischen Studien abhängig sein. Das metastasierte MCC ist ein seltener und aggressiver Hautkrebs, für den es zuvor keine zugelassenen Behandlungsoptionen gab. Damit ist dies die erste Indikation für Bavencio® und die erste von der FDA zugelassene Behandlung und Immuntherapie für das metastasierte MCC. Da weniger als die Hälfte der Patienten mit metastasiertem MCC länger als ein Jahr und weniger als 20 % mehr als fünf Jahre überleben, steht Patienten mit Bavencio® eine dringend benötigte Behandlungsoption zur Verfügung, die bei der Therapie dieser Erkrankung Entscheidendes bewirken könnte. Die FDA hatte 2015 den „Orphan Drug‟-Status für Avelumab in der Indikation MCC sowie den „Fast Track‟- und den „Breakthrough Therapy‟-Status für die Behandlung von Patienten mit metastasiertem MCC erteilt, deren Erkrankung nach mindestens einer vorausgegangenen Chemotherapie fortgeschritten ist. Die Vergabe des „Breakthrough Therapy‟-Status soll die Entwicklung und Prüfung von Therapeutika für die Behandlung schwerwiegender oder lebensbedrohlicher Erkrankungen beschleunigen, bei denen vorläufige klinische Nachweise darauf hindeuten, dass das Arzneimittel eine erhebliche Verbesserung gegenüber vorhandenen Therapien bei einem oder mehreren Endpunkten darstellen könnte.

Diese FDA-Zulassung stützte sich auf Daten der Studie JAVELIN Merkel 200, einer internationalen, multizentrischen, einarmigen, offenen Studie der Phase II mit zwei Abschnitten: Der erste Studienabschnitt A umfasste 88 Patienten mit metastasiertem MCC, deren Erkrankung nach mindestens einer vorausgegangenen Chemotherapie fortgeschritten war. Die objektive Ansprechrate betrug 33 %, wobei 11 % der Patienten eine Vollremission und 22 % der Patienten eine Teilremission verzeichneten. Zum Zeitpunkt der Auswertung war mit einer Ansprechdauer von mindestens sechs Monaten bei 93 % der Patienten (n = 25) und von mindestens zwölf Monaten bei 71 % der Patienten (n = 13) das Tumoransprechen dauerhaft. Die Ansprechdauer reichte von 2,8 Monaten bis zu mehr als 24,9 Monaten.

Der zweite Studienabschnitt B umfasste zum Zeitpunkt der Auswertung 39 Patienten mit histologisch bestätigtem metastasiertem MCC, die zuvor keine systemische Therapie im metastasierten Stadium erhalten hatten. Die objektive Ansprechrate betrug 62 %, wobei 14 % der Patienten eine Vollremission und 48 % der Patienten eine Teilremission verzeichneten. Bei 67 % der Patienten betrug das progressionsfreie Überleben drei Monate.

Der nächste regulatorische Meilenstein erfolgte im Mai mit der beschleunigten Zulassung von Bavencio® durch die FDA für die Behandlung von Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom (UC), deren Tumorerkrankung unter oder nach platinhaltiger Chemotherapie bzw. innerhalb von zwölf Monaten nach neoadjuvanter oder adjuvanter Behandlung mit einer platinhaltigen Chemotherapie fortgeschritten war. Diese Indikation wurde ebenfalls im Rahmen des Sonderweges der beschleunigten Zulassung auf Basis des Tumoransprechens und der Ansprechdauer genehmigt. Die Aufrechterhaltung der Zulassung in dieser Indikation kann vom Nachweis und von der Beschreibung des klinischen Nutzens im Rahmen von konfirmatorischen Studien abhängig sein.

Das fortgeschrittene Urothelkarzinom ist eine aggressive Erkrankung mit einer hohen Rezidivrate. Bei circa 90 % der Urothelkarzinome handelt es sich um Harnblasenkrebs, die sechsthäufigste Krebserkrankung in den USA. Trotz Fortschritten bei der Behandlung der lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Erkrankung ist die Prognose für Patienten mit einer Fünf-Jahres-Überlebensrate von ungefähr 5 % nach wie vor schlecht. Weitere Behandlungsoptionen werden dementsprechend dringend benötigt.

Wirksamkeit und Sicherheit von Bavencio® bei Urothelkarzinom wurden in den entsprechenden Patientenkohorten der Studie JAVELIN Solid Tumor, einer offenen, einarmigen, multizentrischen Phase-I-Studie zu Bavencio® für die Behandlung von verschiedenen soliden Tumoren, nachgewiesen. Diese Studienkohorten (n = 242) umfassten Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom, deren Tumorerkrankung unter oder nach platinhaltiger Chemotherapie bzw. innerhalb von zwölf Monaten nach neoadjuvanter oder adjuvanter Behandlung mit einer platinhaltigen Chemotherapie fortgeschritten war. Bei Patienten mit einer Nachbeobachtungszeit von sechs Monaten und länger lag die Gesamtansprechrate bei 16,1 %. Die Ansprechdauer war nicht genau schätzbar; sie bewegte sich im Bereich von 1,4 bis 17,4 Monaten.

Im September erhielten wir drei weitere Zulassungen für Bavencio®Die erste kam von der Schweizer Zulassungsbehörde Swissmedic für die Behandlung von Patienten mit metastasiertem MCC, deren Erkrankung nach mindestens einer Chemotherapie fortgeschritten ist. Mitte des Monats erteilte die Europäische Kommission die Zulassung für Bavencio® als Monotherapie für die Behandlung von erwachsenen Patienten mit metastasiertem MCC und damit als erste und einzige zugelassene Therapieoption für metastasiertes MCC in den 28 Mitgliedsländern der EU sowie Liechtenstein, Island und Norwegen. Nur wenige Tage später erteilte auch das japanische Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales (MHLW) die Marktzulassung für Bavencio® als erste Behandlung überhaupt für das kurativ inoperable Merkelzellkarzinom und als ersten Anti-PD-L1 in Japan. Im Dezember folgte die Zulassung für metastasiertes MCC in Kanada und im Januar 2018 in Australien sowie in Israel. Des Weiteren erhielt Bavencio® Ende Januar die Marktzulassung in Israel für die Behandlung von Patienten mit Urothelkarzinom.

Im Rahmen unserer strategischen Allianz mit Pfizer erforschen wir das therapeutische Potenzial von Avelumab weiter. Unser klinisches Entwicklungsprogramm JAVELIN umfasst über 30 klinische Studien – davon einige der Phase III – mit mehr als 7.000 Patienten, die derzeit in über 15 verschiedenen Tumorindikationen untersucht werden. Neben MCC und UC sind dies Brustkrebs, Karzinome des Magens / gastroösophagealen Übergangs, Kopf-Hals-Tumoren, Hodgkin-Lymphom, Melanom, Tumoren des Mesothels, nicht-kleinzelliges Bronchialkarzinom, Ovarialkarzinom und Nierenzellkarzinom (RCC).

Am 21. Dezember erteilte die FDA den „Breakthrough Therapy‟-Status für Avelumab in Kombination mit Inlyta® (Axitinib) bei nicht vorbehandelten Patienten mit fortgeschrittenem RCC.

Neben den zahlreichen Abstracts, die 2017 auf renommierten Fachkongressen wie den Jahrestagungen der American Society of Clinical Oncology (ASCO) und der European Society for Medical Oncology (ESMO) vorgestellt wurden, lieferten wir im November ein Update zu unserer Phase-III-Studie JAVELIN Gastric 300. Diese Studie ist die erste globale klinische Prüfung mit einem Checkpoint-Inhibitor im Vergleich zu einer aktiven Chemotherapie anstelle von Placebo bei einer Patientenpopulation mit vorbehandeltem fortgeschrittenen Magenkrebs. Die Studie verfehlte ihren vordefinierten primären Endpunkt des verbesserten Gesamtüberlebens. Die Daten werden derzeit weitergehend untersucht, um die Ergebnisse besser verstehen zu können. Wir werden sie 2018 auf einem Medizinkongress vorstellen und bleiben unserem laufenden Entwicklungsprogramm zu Magenkrebs mit Avelumab verpflichtet.

Unser Anspruch ist es, neue Behandlungsoptionen für Patienten mit schwer therapierbaren Krebserkrankungen zu entwickeln, die ansonsten nur eine geringe Überlebenschance hätten. Deshalb verfolgen wir alle potenziellen Optionen und sind dazu 2017 mehrere strategische Kollaborationen eingegangen. Die erste Vereinbarung erfolgte im März mit EpiThany. Gegenstand ist die Untersuchung von Avelumab in Kombination mit EP-101 STEMVAC, einem polyepitopischen Multi-Antigen-Krebsimpfstoff aus der Entwicklung, im Rahmen einer Phase-II-Studie bei Frauen mit Brustkrebs. Die zweite Zusammenarbeit vereinbarten wir im Mai mit dem schweizerisch-deutschen Biotechunternehmen VAXIMM AG, um Avelumab in Kombination mit VXM01 von VAXIMM zu evaluieren. VXM01 ist eine orale T-Zell-Immuntherapie aus der klinischen Entwicklung, die T-Zellen aktivieren soll, das Tumorgefäßsystem anzugreifen und bei verschiedenen Tumorarten die Krebszellen direkt zu attackieren. Gemäß den Vertragsbedingungen wird VAXIMM die Durchführung von zwei offenen Phase-I- / Phase-II-Studien in den Indikationen Glioblastom und metastasiertes Kolorektalkarzinom (CRC) übernehmen.

Im Juni gaben wir unsere Zusammenarbeit mit eFFECTOR Therapeutics bekannt, um eine neuartige immunonkologische Kombination bei mikrosatellitenstabilem Kolorektalkarzinom zu prüfen. Gemeinsam wollen wir eine offene, randomisierte Phase-II-Studie ohne Komparator initiieren, um die Sicherheit, Verträglichkeit und Wirksamkeit von Avelumab in Kombination mit dem kleinmolekularen MNK1 / 2-Inhibitor eFT508 von eFFECTOR bei Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem mikrosatellitenstabilem CRC zu untersuchen.

Im September vereinbarten wir eine Partnerschaft mit Phosplatin Therapeutics. Ziel ist die Evaluierung von Avelumab in Kombination mit PT-112, einem neuartigen kleinmolekularen Auslöser der Apoptose mit nachgewiesenen Eigenschaften für nachgelagerten immunogenen Zelltod (ICD), welcher sich derzeit bei soliden Tumoren und hämatologischen Krebserkrankungen in der Phase-I-Entwicklung befindet.

Auf der 53. Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vom 2. bis 6. Juni in Chicago haben wir die Ergebnisse unseres wachsenden, breit angelegten Onkologie-Portfolios vorgestellt – von Ansätzen der Immunonkologie bis zur DNA-Reparatur bei einer Vielzahl von schwer therapierbaren Krebserkrankungen. In über 40 Abstracts zeigte sich unser Anspruch, die aktuelle wie auch zukünftige Krebstherapie gestalten zu wollen. Hierzu gehören auch Daten zu Avelumab, Erbitux® (Cetuximab) und Updates zu den Pipelinekandidaten M7824 (Anti-PD-L1 / TGF-β-Trap), M3814 (DNA-PK-Inhibitor), M7583 (BTK-Inhibitor) sowie Tepotinib, einen in Prüfung befindlichen kleinmolekularen Inhibitor der c-Met-Rezeptor-Tyrosinkinase.

Mehrere ASCO-Präsentationen zu Avelumab beinhalteten Daten zur Erstlinienbehandlung des metastasierten Merkelzellkarzinoms und zur Behandlung des vorbehandelten metastasierten Urothelkarzinoms sowie Ergebnisse der Phase-Ib-Studie zu Avelumab in Kombination mit Axitinib bei Nierenzellkarzinom (RCC). Neben den Indikationen metastasiertes MCC, lokal fortgeschrittenes oder metastasiertes UC und RCC haben wir weitere Abstracts zu Avelumab bei nicht-kleinzelligem Bronchialkarzinom, metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom, lokal fortgeschrittenem Plattenepithelkarzinom des Kopfes und Halses sowie rezidiviertem oder refraktärem diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom vorgestellt.

Außerdem waren wir auf der ASCO mit neuen Forschungserkenntnissen zu unserem bifunktionalen Prüfpräparat M7824 für die Immuntherapie, einem Anti-PD-L1 / TGF-β-Trap, vertreten. Dieser Wirkstoff soll potenziell gleichzeitig PD-L1 und TGF-β blockieren können. Im Rahmen eines Vortrags wurden klinische Daten aus einer Phase-I-Dosiseskalationsstudie vorgestellt, die das Potenzial von M7824 bei fortgeschrittenen soliden Tumoren untersucht.

Zu den weiteren Updates aus der Pipeline, die auf der ASCO präsentiert wurden, gehörten auch frühe klinische Ergebnisse für Tepotinib und M7583, einen oralen hochselektiven, kovalenten Inhibitor der Brutontyrosinkinase (BTK), sowie erste klinische Daten zu M3814, einem DNA-abhängigen Proteinkinase(DNA-PK)-Inhibitor.

Wir investieren maßgeblich in das vielversprechende Gebiet der DNA-Reparaturmechanismen (DNA damage response, DDR). Im Januar unterzeichneten wir eine Lizenzvereinbarung mit dem in Boston ansässigen US-Unternehmen Vertex Pharmaceuticals über die weltweite Entwicklung und Vermarktung von vier Forschungs- und Entwicklungsprogrammen zur Untersuchung neuartiger Ansätze bei der Krebstherapie. Mit dem erworbenen Portfolio von Vertex zur DNA-Reparatur haben wir unsere eigene DDR-Plattform ergänzt und uns als ein Hauptakteur in diesem Bereich positioniert. Unser breit gefächertes DDR-Portfolio umfasst Enzyminhibitoren für wichtige Signalwege der DNA-Reparatur wie Ataxia Telangiectasia and Rad3-related (ATR) Kinase, DNA-PK und Ataxia Telangiectasia Mutated (ATM) Kinase.

Auf der Jahrestagung 2017 der European Society for Medical Oncology (ESMO) vom 8. bis 12. September in Madrid haben wir insgesamt 23 Abstracts zu fünf verschiedenen Wirkstoffen vorgestellt, die die stetig wachsende wissenschaftliche Expertise unseres Unternehmens unterstreichen. Sie beinhalteten Daten zur Rolle des etablierten Arzneimittels Erbitux® (Cetuximab) einschließlich Daten zur Lebensqualität (QoL) bei Kolorektalkarzinom und Praxisdaten sowohl zu CRC als auch zu Plattenepithelkarzinomen des Kopfes und Halses. Zu Avelumab haben wir aktualisierte Wirksamkeits- und Sicherheitsdaten bei metastasiertem MCC und UC (Daten aus der zwölfmonatigen Nachbeobachtung von vorbehandelten Patienten mit lokal fortgeschrittener oder metastasierter Erkrankung) präsentiert. Darüber hinaus haben wir neue sowie aktualisierte Daten aus unserer rasant fortschreitenden Pipeline vorgestellt, darunter erste eigenständige Daten zu M6620, dem potenziell ersten Inhibitor der Proteinkinase ATR bei metastasiertem dreifach negativem Mammakarzinom. M6620 wird derzeit in mehreren Phase-I-Studien bei verschiedenen Tumorarten untersucht. Als weitere Pipeline-Aktualisierungen wurden Daten zum potenziell ersten dualen p70S6K / Akt-Inhibitor M2698 vorgestellt sowie zu Tepotinib für Patienten mit fortgeschrittenem Leberzellkarzinom (HCC).

Im Januar schlossen wir eine Kollaborations- und Lizenzvereinbarung mit Domain Therapeutics aus Straßburg ab. Ziel ist die Erforschung des Potenzials der Adenosinhemmung bei der Entwicklung neuartiger immunonkologischer Wirkstoffe. Das Unternehmen Domain Therapeutics ist auf die Entdeckung und Entwicklung von neuartigen Wirkstoffen gegen transmembrane Targets, vor allem G-Protein-gekoppelte Rezeptoren (GPCRs), spezialisiert. Diese Zusammenarbeit stärkt unsere Kombinationsstrategie im Bereich Immunonkologie und unterstreicht unseren wissenschaftsbasierten Ansatz bei der Entdeckung und Entwicklung neuartiger Verbindungen durch interne Kompetenzen und externe Partnerschaften.

Ebenfalls im Januar gaben wir eine auf drei Jahre angelegte strategische Kooperation mit dem MD Anderson Cancer Center der University of Texas bekannt. Ziel der Zusammenarbeit ist die beschleunigte Entwicklung von Prüfsubstanzen für die Krebstherapie bei vier Tumorarten – Brustkrebs, Darmkrebs, Glioblastom und Leukämie. Die Kooperation wird den Wert unserer zukünftigen Onkologie- / Immunonkologie- Pipeline erhöhen. Anvisiert wird die Durchführung von mehreren Zulassungsstudien in neuen Indikationen in den nächsten zwei bis drei Jahren.

Im Juni gaben wir eine neue strategische Kooperation mit dem britischen Biotechunternehmen F-star mit Sitz in Cambridge bekannt. Gegenstand ist die Entwicklung und Vermarktung von fünf bispezifischen immunonkologischen Antikörpern. Des Weiteren ist Merck berechtigt, diese Antiköper durch andere zu ersetzen oder um weitere zu ergänzen und sich dazu der Plattform an bispezifischen Antikörpern von F-star zu bedienen. Diese Kooperation wird unsere immunonkologische Pipeline weiter stärken und untermauert unser Engagement, bahnbrechende Krebstherapien zu entdecken und zu entwickeln, die im Leben der Patienten etwas Entscheidendes bewirken.

Am 6. Juli haben wir die Gewinner unseres siebten Biopharma Innovation Cup vorgestellt. Das Siegerteam erhielt 20.000 € für seine innovative Idee zur Rolle von natürlichen Killerzellen (NK) in der Immunonkologie. Mit dem Biopharma Innovation Cup unterstützen wir die berufliche Entwicklung von Hochschulabsolventen und fördern Innovationen einer neuen Generation talentierter Akademiker. Er ist Ausdruck unseres starken Engagements zur Förderung von Innovationen, Neugier und Zusammenarbeit. Mit über 1.400 Bewerbungen aus 60 Ländern erreichte der Biopharma Innovation Cup 2017 einen neuen Beliebtheitsrekord.

Im September haben wir bereits zum vierten Mal die Preisträger des „Grant for Oncology Innovation (GOI)‟ bekannt gegeben. Die drei Gewinner dieses jährlichen Förderpreises teilten sich ein Preisgeld in Höhe von 1 Mio. €, um ihre Forschung voranzutreiben. Eine wissenschaftliche Jury aus international renommierten Onkologen wählte die Projekte aus rund 100 Bewerbungen aus aller Welt aus. Dabei wurden folgende Kriterien zugrunde gelegt: Relevanz für die Patientenversorgung, innovativer Ansatz, wissenschaftliche Reichweite, Machbarkeit und Relevanz für die Personalisierung von Behandlungen.

Neurologie und Immunologie

Multiple Sklerose (MS) ist weltweit eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen und es gibt einen hohen Bedarf an Behandlungsoptionen für MS-Patienten, vor allem für Patienten mit schubförmiger MS (RMS) mit hoher Krankheitsaktivität. Im Anschluss an die positive Beurteilung durch den Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) im Juni erteilte die Europäische Kommission im August die Marktzulassung für Mavenclad® 10 mg (Cladribin-Tabletten) für die Behandlung von RMS mit hoher Krankheitsaktivität in den 28 Ländern der Europäischen Union sowie Island, Liechtenstein und Norwegen. Mavenclad® ist die erste orale Kurzzeittherapie, die bei MS-Patienten mit hoher Krankheitsaktivität bezüglich der Schlüsselkriterien Behinderungsprogression, annualisierte Schubrate und Krankheitsaktivität gemäß Magnetresonanztomografie(MRT)-Befund Wirkung gezeigt hat.

Am 30. November erteilte das kanadische Gesundheitsministerium Health Canada die Zulassung für Mavenclad® als Monotherapie für die Behandlung von erwachsenen Patienten mit schubförmig-remittierender Multipler Sklerose (RRMS), um die Häufigkeit klinischer Exazerbationen (Schübe) zu vermindern und eine Krankheitsprogression hinauszuzögern.

Am 7. Dezember erhielt Merck in Australien die Zulassung für Mavenclad® in Form einer aktualisierten Registrierung durch die Therapeutic Goods Administration (TGA) für die Behandlung von RRMS einschließlich überarbeiteter Informationen bei Indikation, Dosierung und Sicherheitshinweisen.

Im Januar 2018 erteilte das israelische Gesundheitsministerium die Zulassung für Mavenclad® für die Behandlung von erwachsenen Patienten mit schubförmiger MS mit hoher Krankheitsaktivität gemäß definierter klinischer oder bildgebender Kriterien.

Die Marktzulassungen für Mavenclad® in Europa, Kanada, Australien und Israel basieren auf Daten von über 10.000 Patientenjahren mit mehr als 2.700 Patienten, die in das klinische Studienprogramm eingeschlossen waren, darunter Patienten mit einer Nachbeobachtungszeit von bis zu zehn Jahren. Mavenclad® ist die erste Behandlung für schubförmige Multiple Sklerose mit nachweislich klinischer Wirksamkeit von bis zu vier Jahren bei oraler Verabreichung an maximal 20 Tagen innerhalb von zwei Jahren. Die Wirksamkeits- und Sicherheitsergebnisse dieser Studien ermöglichten eine umfassende Charakterisierung des Nutzen-Risiko-Profils der Therapie. Mavenclad® ist eine selektive Immunrekonstitutionstherapie, die die Verabreichung der Behandlung vereinfacht: Patienten erhalten über einen Gesamtzeitraum von vier Jahren je einen kurzen Verabreichungszyklus der Tabletten in zwei aufeinanderfolgenden Jahren, ohne sich häufigen Kontrolluntersuchungen unterziehen zu müssen. Die relevantesten klinischen Nebenwirkungen waren Lymphopenie und Herpes Zoster.

Mehrere Mavenclad-Einreichungen sind derzeit in der Prüfung und wir wollen weitere Anträge auf Marktzulassung in anderen Ländern einschließlich USA einreichen.

Daten zu unseren zugelassenen MS-Therapien Mavenclad®, Rebif® (Interferon beta-1a) und unserem Prüfpräparat Evobrutinib wurden auf der MSParis 2017, der 7. gemeinsamen Tagung von ECTRIMS und ACTRIMS vom 25. bis 28. Oktober, vorgestellt. Eine Post-hoc-Analyse von Subpopulationen mit hoher Krankheitsaktivität der zweijährigen CLARITY-Studie bestätigte, dass Mavenclad® den Anteil von Patienten ohne nachweisbare Krankheitsaktivität (NEDA) im Vergleich zu Placebo signifikant erhöhte (43,7 % gegenüber 9,0 %). Daten zur Wirksamkeit aus den Studien CLARITY, CLARITY EXTENSION und ORACLE-MS unterstrichen, dass Mavenclad® bei oraler Verabreichung an maximal 20 Tagen innerhalb der ersten zwei Behandlungsjahre eine vierjährige Krankheitskontrolle erzielt. Eine weitere Auswertung zur Sicherheit in Bezug auf das Risiko für maligne Erkrankungen und Infektionen wurde zusammen mit Daten zu Mavenclad® präsentiert, die weitere Details darüber vermitteln, wie die Behandlung selektiv auf das adaptive Immunsystem einwirken soll.

Darüber hinaus wurden die Preisträger des fünften jährlich vergebenen Förderpreises „Grant for Multiple Sclerosis Innovation (GMSI)‟ im Rahmen der 7. gemeinsamen Tagung von ECTRIMS und ACTRIMS bekannt gegeben. 2017 wurden 77 Projektvorschläge aus 25 Ländern eingereicht. Die Wahl fiel auf drei Forschungsteams aus Kanada, Portugal und den USA, die sich die Fördergelder in Höhe von insgesamt 1 Mio. € teilten.

Auf der gemeinsamen Jahrestagung 2017 des American College of Rheumatology und der Association of Rheumatology Health Professionals (ACR / ARHP) vom 3. bis 8. November im kalifornischen San Diego haben wir insgesamt elf Abstracts in Form von Vorträgen und Poster-Präsentationen sowie neue Daten in einem Late-Breaking-Abstract zu klinischen Programmen in den Indikationen systemischer Lupus erythematodes (SLE), Osteoarthrose (OA), rheumatoide Arthritis (RA) und fibrotische Erkrankungen vorgestellt. Zu den beachtenswerten Daten zählte ein Late-Breaking-Abstract zu FORWARD, einer auf fünf Jahre ausgelegten Phase-II-Studie zu Sprifermin bei Patienten mit Kniegelenksarthrose, die Einblicke in die potenziell krankheitsmodifizierenden Eigenschaften des Wirkstoffs liefert. Die Studie mit 549 Patienten erreichte ihren primären Endpunkt, und zwar statistisch signifikante, dosisabhängige Zunahmen der Gesamtknorpeldicke im Femorotibialgelenk im MRT gegenüber Baseline nach der zweijährigen Behandlungsphase. Dies war in den beiden Sprifermin-Gruppen, die die höchsten Dosen erhielten, im Vergleich zur Placebo-Gruppe der Fall. Eine nachweisliche Zunahme der Knorpeldicke wurde im Gegensatz zu einer verzögerten Abnahme der Knorpeldicke bisher nicht berichtet.

Am 12. September haben wir den Start einer Phase-IIb-Studie bei rheumatoider Arthritis mit dem von Merck entdeckten Brutontyrosinkinasehemmer (BTKi) Evobrutinib mitgeteilt. Diese Studie folgt auf eine Phase-IIa-Studie, die die vordefinierten Kriterien für den Übergang zu einer Dosisfindungsstudie erfüllt hatte. Evobrutinib wird nun im Rahmen von Phase-IIb-Studien bei drei immunologischen Indikationen untersucht: RA, MS und SLE. Evobrutinib wurde in unseren eigenen Labors entdeckt und veranschaulicht die Innovationskraft unserer F&E-Aktivitäten innerhalb des Unternehmensbereichs Healthcare.

Auf der 69. Jahrestagung der American Academy of Neurology (AAN) in Boston vom 22. bis 28. April 2017 stellten wir Daten in insgesamt 15 Abstracts zu Multipler Sklerose vor, darunter Studien zur Untersuchung von Rebif® (Interferon beta-1a) sowie zu Mavenclad®.

Am 26. Juni wurden auf der Jahrestagung der European Association of Neurology in Amsterdam Datenauswertungen von drei klinischen Studien (CLARITY, CLARITY Extension und ORACLE-MS) präsentiert. Sie legen nahe, dass Mavenclad® bei Patienten mit MS im Frühstadium und mit schubförmiger MS sowohl B- als auch T-LymphozytenZahlen selektiv und nur vorübergehend senkt. Es zeigte sich eine frühe Reduzierung der peripheren B-Lymphozyten im Blut: 13 Wochen nach der Behandlung erreichten die Werte einen Tiefststand, auf den eine rasche Rückkehr zu den Ausgangswerten folgte. Zudem ließ sich eine moderate Reduzierung der T-Lymphozyten-Zahlen nachweisen, wenn auch in geringerem Ausmaß als bei B-Lymphozyten; dabei gingen die Werte der CD4+-Lymphozyten stärker zurück als die der CD8+-Lymphozyten.

Fertilität

Anfang 2017 hat der CHMP den neuen Pergoveris®-Pen in einer offiziellen Stellungnahme positiv beurteilt, woraufhin er im Mai von der Europäischen Kommission zugelassen wurde. Der Pen erfüllt den medizinischen Bedarf in bezug auf eine komfortable und gebrauchsfertige Kombinationsbehandlung für Frauen mit erheblichem Mangel an follikelstimulierendem Hormon (FSH) und luteinisierendem Hormon (LH). Die flüssige Version von Pergoveris® ist eine Weiterentwicklung der ursprünglichen Kombination aus gefriergetrocknetem Pulver plus Lösungsmittel zu einer einsatzbereiten Lösung für den Fertigpen. Bisher mussten die Patientinnen vor der täglichen Injektion die in separaten Durchstechflaschen enthaltenen Komponenten selbst mischen. Mit dem neuen Pergoveris®-Pen steht auf dem europäischen Markt das einzige vorgemischte Kombinationspräparat aus humanem FSH und humanem LH in einem vorgefüllten Injektionsgerät für die Selbstverabreichung zur Verfügung.

Wir haben im Juli unser Engagement für Innovationen im Bereich Fertilität weiter untermauert und mit dem „Grant for Fertility Innovation (GFI)‟ Fördergelder in Höhe von 1,25 Mio. € für externe Forschungsprojekte zur Verfügung gestellt, um die medizinische Forschung in diesem Bereich voranzutreiben. Mit dem 2009 eingeführten ersten Merck-Förderprogramm der Reihe „Grants for Innovation‟ sollen innovative translationale Forschungsprojekte im Bereich Fertilität zu konkreten Gesundheitslösungen weiterentwickelt werden, um die Ergebnisse von Fertilitätsbehandlungen zu verbessern. 2017 wurde bei der GFI-Preisverleihungszeremonie zudem Prof. Bruno Lunenfeld für seine revolutionäre Arbeit im Bereich Fertilität seit 1954 mit dem „Merck Lifetime Achievement Award‟ ausgezeichnet.

Im November erteilte die FDA die Zulassung für eine neue Version des Gonal-f®-Fertigpens (Follitropin-alfa-Injektion). Der in den USA unter dem Namen Gonal-f® RFF Redi-jectTM eingeführte Fertigpen wurde erstmals 2013 von der FDA zugelassen. Die neue Version wurde basierend auf dem Feedback der Nutzerinnen entwickelt, ist intuitiv und bedienungsfreundlich. Gonal-f® ist das einzige Gonadotropin in einem vorgefüllten Fertigpen in den USA. Wie sein Vorgänger ermöglicht der neue Gonal-f®-Pen eine individuelle Anpassung der Behandlung in kleinsten Dosierschritten von je 12,5 I. E. für eine Titrierung über eine breite Dosisspanne und eine präzise Abstimmung der Dosierung auf die jeweiligen Bedürfnisse der Patientinnen. Zu den neuen Designmerkmalen zählt eine überarbeitete Dosieranzeige für eine bessere Lesbarkeit.

General Medicine & Endokrinologie

Im Mai hat die britische Zulassungsbehörde MHRA (Medicines and Healthcare products Regulatory Agency) die Zulassung für Glucophage® SR (Metformin mit verzögerter Freisetzung) erteilt. Das Präparat darf jetzt in Großbritannien zur Senkung des Risikos beziehungsweise zum Hinauszögern einer Erkrankung an Typ-2-Diabetes bei erwachsenen übergewichtigen Patienten mit eingeschränkter Glukosetoleranz und / oder abnormer Nüchternglukose und / oder erhöhtem glykosylierten Hämoglobin (HbA1c) eingesetzt werden, sofern umfassende Änderungen des Lebensstils über drei bis sechs Monate erfolglos geblieben sind.

Am 18. September haben wir die Preisträger des „Grant for Growth Innovation (GGI)‟ für das Jahr 2017 im Rahmen der 10. Internationalen Jahrestagung für Pädiatrische Endokrinologie in Washington D. C. USA bekannt gegeben. 65 Bewerbungen aus 28 Ländern waren eingegangen und von einer unabhängigen wissenschaftlichen Jury aus sechs international renommierten Endokrinologen und Forschern geprüft worden. Forschungsgruppen aus Frankreich und Dänemark erhielten je ein Stipendium für innovative Projekte im Bereich Wachstum und Wachstumsstörungen.

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BIOPHARMA-PIPELINE

Stand: 31. Dezember 2017

Therapiegebiet
Wirkstoff Indikation Status
Neurologie
Cladribin-Tabletten (lymphozytenreduzierender Wirkstoff) Schubförmige Multiple Sklerose Zulassung1
Evobrutinib (BTK-Inhibitor) Multiple Sklerose Phase II
     
Onkologie
Tepotinib (c-Met-Kinase-Inhibitor) Nicht-kleinzelliges Bronchialkarzinom Phase II
Tepotinib (c-Met-Kinase-Inhibitor) Leberzellkarzinom Phase II
M2698 (p70S6K / Akt-Inhibitor) Solide Tumoren Phase I
M3814 (DNA-PK-Inhibitor) Solide Tumoren Phase I
M9831 (VX-984, DNA-PK-Inhibitor) Solide Tumoren Phase I
M6620 (VX-970, ATR-Inhibitor) Solide Tumoren Phase I
M4344 (VX-803, ATR-Inhibitor) Solide Tumoren Phase I
M3541 (ATM-Inhibitor) Solide Tumoren Phase I
M8891 (MetAP2-Inhibitor) Solide Tumoren Phase I
M7583 (BTK-Inhibitor) Hämatologische Malignome Phase I
     
Immunonkologie
Avelumab (monoklonaler Anti-PD-L1-Antikörper) Nicht-kleinzelliges Bronchialkarzinom, Erstlinie Phase III
Avelumab (monoklonaler Anti-PD-L1-Antikörper) Nicht-kleinzelliges Bronchialkarzinom, Zweitlinie Phase III
Avelumab (monoklonaler Anti-PD-L1-Antikörper) Magenkarzinom, Erstlinien-Erhaltungstherapie Phase III
Avelumab (monoklonaler Anti-PD-L1-Antikörper) Platinresistentes /-refraktäres Ovarialkarzinom Phase III
Avelumab (monoklonaler Anti-PD-L1-Antikörper) Ovarialkarzinom, Erstlinie Phase III
Avelumab (monoklonaler Anti-PD-L1-Antikörper) Urothelkarzinom, Erstlinien-Erhaltungstherapie Phase III
Avelumab (monoklonaler Anti-PD-L1-Antikörper) Nierenzellkarzinom, Erstlinie Phase III
Avelumab (monoklonaler Anti-PD-L1-Antikörper) Lokal fortgeschrittene Kopf-Hals-Tumoren Phase III
Avelumab (monoklonaler Anti-PD-L1-Antikörper) Merkelzellkarzinom, Erstlinie Phase II
Avelumab (monoklonaler Anti-PD-L1-Antikörper) Solide Tumoren Phase I
Avelumab (monoklonaler Anti-PD-L1-Antikörper) Hämatologische Malignome Phase I
M9241 (NHS-IL12, Krebsimmuntherapie) Solide Tumoren Phase I2
M7824 (Anti-PD-L1 / TGF-β-Trap) Solide Tumoren Phase I
M4112 (Krebsimmuntherapie) Solide Tumoren Phase I
     
Immunologie
Sprifermin (Fibroblasten-Wachstumsfaktor 18) Osteoarthrose Phase II
Atacicept (Anti-BLys- / Anti-APRIL-Fusionsprotein) Systemischer Lupus erythematodes Phase II
Atacicept (Anti-BLys- / Anti-APRIL-Fusionsprotein) IgA-Nephropathie Phase II
Abituzumab (monoklonaler Anti-CD51-Antikörper) Systemische Sklerose mit interstitieller Lungenerkrankung Phase II
Evobrutinib (BTK-Inhibitor) Rheumatoide Arthritis Phase II
Evobrutinib (BTK-Inhibitor) Systemischer Lupus erythematodes Phase II
M1095 (ALX-0761, Anti-IL-17A / F-Nanobody) Psoriasis Phase I3
M6495 (Anti-ADAMTS-5-Nanobody) Osteoarthrose Phase I
     
General Medicine
M5717 (PeEF2-Inhibitor) Malaria Phase I
1
Laut Mitteilung vom 25. August 2017 erteilte die Europäische Kommission die Marktzulassung für Cladribin-Tabletten für die Behandlung von schubförmiger Multipler Sklerose mit hoher Krankheitsaktivität in den 28 Ländern der Europäischen Union sowie Island, Liechtenstein und Norwegen.
2
Studie gefördert vom National Cancer Institute (USA).
3
Laut Mitteilung vom 30. März 2017 wird der Anti-IL-17 A / F-Nanobody im Rahmen einer Entwicklungsvereinbarung von Avillion zur Behandlung von Plaque-Psoriasis entwickelt und von Merck vermarktet.
Weitere Informationen zu aktuellen klinischen Studien finden Sie unter www.clinicaltrials.gov.
Pipelineprodukte werden in klinischen Studien untersucht; für sie liegt kein Nachweis der Sicherheit und Wirksamkeit vor.
Es kann nicht gewährleistet werden, dass jedes Produkt auch in der beantragten Indikation zugelassen wird.
ADAMTS-5
A disintegrin and metalloproteinase with thrombospondin motifs
Akt
Proteinkinase B
APRIL
Proliferationsinduzierender Ligand
ATM
Ataxia Telangiectasia Mutated Kinase
ATR
Ataxia Telangiectasia and Rad3-related Kinase
BLyS
B-Lymphozyten-Stimulator
BTK
Brutontyrosinkinase
IgA
Immunglobulin A
IL
Interleukin
MetAP2
Methionin-Aminopeptidase 2
PD-L1
Programmierter Zelltod-Ligand 1
PeEF2
Eukaryotischer Plasmodium-Elongationsfaktor 2
PK
Proteinkinase
TGF β
Transformierender Wachstumsfaktor β
Consumer Health

In unserem Consumer-Health-Geschäft entwickeln und vertreiben wir nicht-verschreibungspflichtige Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel sowie einige verschreibungspflichtige Medikamente für Märkte in Europa, vorrangig für Frankreich, Deutschland und Großbritannien, sowie in Wachstumsmärkten Lateinamerikas, des Mittleren Ostens, Afrikas und Südostasiens. Der Schwerpunkt unserer Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten liegt auf der stetigen Verbesserung bewährter Rezepturen sowie der Entwicklung von neuen Produkten und Erweiterungen von Produktlinien. So haben wir 2016 / 2017 zum Beispiel erfolgreich die ganz neue Marke Vivera® in einigen Märkten Lateinamerikas eingeführt. Sie enthält eines der am besten erforschten und wirksamsten Probiotika weltweit für die Behandlung von Magen-Darm-Beschwerden. Der Verbraucher und seine Bedürfnisse stehen im Mittelpunkt unserer Innovationstätigkeiten. Dabei stützen wir uns auf intensive Marktforschung in unseren Hauptmärkten. Zu diesem Zweck gehen wir seit 2014 verstärkt Kooperationsvereinbarungen mit unabhängigen Forschungseinrichtungen ein, um gezielt auf deren Expertise bei der Entwicklung von neuen Produkten gemäß den speziellen Bedürfnissen unserer Kunden zurückzugreifen.

Allergopharma

Unser Allergiegeschäft Allergopharma ist einer der führenden Hersteller diagnostischer Tests und verschreibungspflichtiger Arzneimittel für die allergenspezifische Immuntherapie. Mit unserer eigenen Forschung und Entwicklung sowie in Kooperation mit Forschungsinstituten und externen Partnern tragen wir zu einem besseren Verständnis des immunologischen Mechanismus bei, der sich hinter der Entwicklung von Allergien verbirgt, und arbeiten an der nächsten Generation von Präparaten für die allergenspezifische Immuntherapie.

Life Science

Die Forschungs- und Entwicklungsteams in unseren drei Life-Science-Geschäftseinheiten Research Solutions, Process Solutions und Applied Solutions arbeiten an innovativen Lösungen für die größten Herausforderungen unserer Kunden. Im Unternehmensbereich Life Science investieren wir signifikant in die Forschung und Entwicklung (F&E) und beschäftigen weltweit über 1.500 Mitarbeiter in unterschiedlichen F&E-Funktionen.

Im Jahr 2017 haben wir uns weiterhin auf unser Versprechen konzentriert, den Zugang zu Gesundheit für Menschen in aller Welt zu beschleunigen. Wir haben über 15.000 Produkte, darunter fast 9.000 Chemikalien, eingeführt und wollen:

  • unser Portfolio verbessern und ausweiten,
  • langfristig in neue, bahnbrechende Technologien investieren,
  • Partnerschaften mit Kunden und Experten weltweit eingehen und
  • die Bedürfnisse unserer Kunden bedienen.
Erweiterung und Verbesserung des Portfolios

Wir haben im gesamten Geschäftsjahr 2017 Innovationen in allen Segmenten unseres Portfolios eingeführt. In unserer Geschäftseinheit Research Solutions brachten wir mit der SMCxPRO™-Technologie eine hochsensible zukunftsweisende Plattform zum Proteinnachweis auf den Markt, mit der Wissenschaftler im Gegensatz zu herkömmlichen Methoden selbst geringste Mengen an Biomarkern nachweisen und quantifizieren können.

Außerdem haben wir das Vakuum-Filtrationssystem Stericup® Quick Release 500 ml eingeführt. Das Filterflaschensystem ist ideal geeignet für die Sterilfiltration von Zellkulturmedien, Puffern und Reagenzien. Selbst Routineprozesse wie die Mikrofiltration müssen zuverlässig und konsistent sein, da die Qualität und Reproduzierbarkeit für den Zellkulturprozess von entscheidender Bedeutung sind. Das verbesserte System zur Sterilfiltration von Flüssigmedien bietet ein überarbeitetes ergonomisches Design, wodurch die Anwendung und der Filtrationsprozess optimiert werden, während die Millipore®-Membranen mit ihrer bewährten Leistung gleichbleibend hohe Filtrationsergebnisse gewährleisten.

Bei Process Solutions haben wir den Screening-Service CAN MultiFlow™ eingeführt, mit dem Eigenschaften von Substanzen, Inhaltsstoffen und Arzneimittelverbindungen, die für ihre Genotoxizität und ihren Wirkmechanismus bestimmend sind, genauer vorhergesagt werden können. Wir waren das erste Unternehmen, das diesen Service in den USA angeboten hat. Die toxikologische Beurteilung ist einer der wichtigsten Schritte bei der Entwicklung von Chemikalien, Inhalts- und Wirkstoffen, die bei Arzneimitteln, in der Landwirtschaft und in Konsumgütern verwendet werden.

Mit der Einführung des Ex-Cell® Advanced™ HD-Perfusionsmediums haben wir einen wichtigen Schritt für mehr Flexibilität in der Herstellung und die Steigerung der Produktivität getan. Dieses erste gebrauchsfertige hochdichte Zellkulturmedium unterstützt Perfusionsprozesse mit niedrigen Perfusionsraten. So lässt sich der Produktionsertrag verbessern und die Zeit bis zur klinischen Anwendung verkürzen.

Außerdem haben wir mit Millistak+® HC Pro das erste Portfolio an rein synthetischen Tiefenfiltern mit hoher Filterkapazität zur Klärung und Downstream-Filterung von unbehandelten CHO-Zellernten (Chinese Hamster Ovary) eingeführt. Das Produkt ermöglicht einen Tiefenfiltrationsprozess mit höherem Reinheitsgrad und besserer Konsistenz als herkömmliche Filtrationsprozesse auf Kieselgur- und Zellstoffbasis.

Bei Applied Solutions haben wir ein neues Testosteron-Kalibrierset für die In-vitro-Diagnostik eingeführt. Mit dem Kalibrierset können Benutzer Assays kalibrieren und Kalibrierungen überprüfen. Es ist das erste seiner Art mit CE-Kennzeichnung, mit der die Einhaltung der Medizinprodukterichtlinie der Europäischen Union bestätigt wird.

Für die schnelle Testung von Lebensmitteln haben wir außerdem MC-Media Pads eingeführt. Das Produkt ermöglicht eine schnelle und praktische Untersuchung von Lebensmitteln auf Indikatororganismen und gewährleistet somit eine zuverlässige Qualitätskontrolle. Kunden können ihre Prozesse zur Probentestung dadurch verbessern und effizienter gestalten, ohne die Qualität der Ergebnisse zu beeinträchtigen.

Langfristige Investition in neue, bahnbrechende Technologien

Die CRISPR-Technologie für die Genomeditierung treibt die Entwicklung von Therapieoptionen für einige der am schwierigsten zu behandelnden Erkrankungen unserer Zeit voran, darunter chronische Krankheiten und Krebserkrankungen, für die es bisher nur eingeschränkte oder keine Behandlungsoptionen gibt. Merck blickt auf zwölf Jahre Erfahrung im Bereich Genomeditierung zurück und war das erste Unternehmen, das weltweit maßgeschneiderte Biomoleküle für die Genomeditierung (TargeTron™-Biomoleküle und Zinkfingernukleasen) anbot, was die Übernahme dieser Techniken durch die globale Forschungsgemeinschaft förderte.

Im Berichtsjahr 2017 haben wir ein neues CRISPR-Tool zur Genomeditierung entwickelt, das CRISPR effizienter, flexibler und spezifischer macht. Es verhilft Forschern zu mehr experimentellen Möglichkeiten und schnelleren Ergebnissen, um die Arzneimittelentwicklung und den Zugang zu neuen Therapien zu beschleunigen. Unsere Forschung zu Proxy-CRISPR wurde am 7. April 2017 in Nature Communications unter dem Titel „Targeted Activation of Diverse CRISPR-Cas Systems for Mammalian Genome Editing via Proximal CRISPR Targeting‟ veröffentlicht.

Das australische Patentamt hat Merck Patentrechte für den Einsatz von CRISPR in einem Genomintegrationsverfahren für eukaryotische Zellen erteilt. Mit dieser CRISPR-Genomintegrationstechnologie können die Forscher eine krankheitsassoziierte Mutation durch eine vorteilhafte oder funktionale Gensequenz ersetzen – diese Methode spielt eine wichtige Rolle bei der Erstellung von Krankheitsmodellen und Gentherapien. Darüber hinaus können Forscher mit dem Verfahren auch Transgene einschleusen, die körpereigene Proteine für die visuelle Nachverfolgung in den Zellen markieren.

Im August hat das Europäische Patentamt (EPA) eine Mitteilung zur Erteilungsabsicht – eine „Notice of Intention to Grant‟ – für unsere zum Patent angemeldete CRISPR-Technologie für den Einsatz in einem Genomintegrationsverfahren für eukaryotische Zellen herausgegeben, wodurch wir unser Patent-Portfolio weiter verstärkt haben. Dieses Patent gewährleistet den Schutz unserer CRISPR-Technologie, mit der Wissenschaftler die Entwicklung von Therapieoptionen für die am schwierigsten zu behandelnden Erkrankungen unserer Zeit vorantreiben können.

Darüber hinaus hat das kanadische Patentamt eine „Notice of Allowance‟ zu der von Merck zum Patent angemeldeten CRISPR-Technologie für den Einsatz in einem Genomintegrationsverfahren für eukaryotische Zellen herausgegeben. Im Dezember erteilte uns außerdem das Patentamt- und Markenamt (Intellectual Property Office) Singapur das Patent für die CRISPR-Technologie. Wir haben zudem Patentanmeldungen für das CRISPR-Insertionsverfahren in den USA, Brasilien, China, Indien, Israel, Japan und Südkorea eingereicht.

Aufgrund ihres bahnbrechenden therapeutischen Potenzials erkennen wir die potenziellen Vorteile, die sich aus der Durchführung einer adäquat definierten Forschung unter Einsatz von Genomeditierung ergeben. Wir unterstützen daher Forschung zur Genomeditierung unter sorgsamer Berücksichtigung ethischer und gesetzlicher Standards. Der Merck-Konzern hat mit dem Merck Bioethics Advisory Panel ein bioethisches Beratungsgremium eingerichtet, um für Forschung, an der seine Geschäfte beteiligt sind, Orientierungshilfe zu geben. Dazu gehört auch die Forschung zu oder mittels Genomeditierung.

Neben der grundlegenden Forschung zur Genomeditierung unterstützt Merck die Entwicklung von gen- und zellbasierten Therapien und stellt virale Vektoren her.

Im Oktober wurde in unserem Produktionsbetrieb für virus- und genbasierte BioReliance®-Therapeutika im kalifornischen Carlsbad (USA) sowohl eine Pre-License-Inspektion durch die US-amerikanische Zulassungsbehörde (FDA) als auch eine zulassungsrelevante Inspektion durch die europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) erfolgreich abgeschlossen. Als führender Auftragshersteller (CMO) für Gentherapien der nächsten Generation unterstreicht dieser Erfolg unser Engagement, Kunden näher an die Vermarktung neuer Therapien zu bringen. Im Dezember haben wir eine Liefervereinbarung mit bluebird bio, Inc., mit Sitz in Cambridge (Massachusetts, USA) unterzeichnet. Gegenstand ist die kommerzielle Herstellung von viralen Vektoren für bluebird bio, die in potenziell transformierenden Gentherapien zum Einsatz kommen.

Partnerschaften

In Zusammenarbeit mit Stelis Biopharma haben wir im indischen Bengaluru ein neues, gemeinsam betriebenes Labor für den Scale-up von Prozessen eröffnet. Die Anlage ermöglicht die Bereitstellung von End-to-End-Lösungen, die das gesamte Spektrum von der Prozessentwicklung bis hin zur Herstellung für den präklinischen, klinischen und kommerziellen Bereich im Produktionsmaßstab abdecken. Beide Unternehmen verfügen über technologisches Fachwissen und ein umfangreiches Portfolio im Zusammenhang mit der Bioprozessentwicklung und Herstellung, das es Kunden ermöglicht, die Entwicklung und Herstellung biopharmazeutischer Wirkstoffkandidaten für klinische Prüfungen zu beschleunigen und gleichzeitig zuverlässiger und kosteneffizienter zu gestalten.

Wir sind zudem 2017 eine strategische Allianz mit dem Baylor College of Medicine in Texas (USA) und dessen Partner zur Produktentwicklung (PDP) von Impfstoffen, dem Texas Children’s Hospital Center for Vaccine Development, eingegangen. Mit dieser Allianz wollen wir die Erforschung und Entwicklung von Impfstoffen für vernachlässigte und neu auftretende Infektionskrankheiten vorantreiben. Durch die Kooperation sollen Impfstoffe die Entwicklungsphase effizienter durchlaufen, damit diese bedürftigen Bevölkerungsgruppen zur Verfügung gestellt werden können. Gemeinsam arbeiten wir an der Optimierung des Impfstoffherstellungsprozesses, um die Stabilität und Ausbeute von Impfstoffen zu erhöhen.

Weitere Fortschritte haben wir mit unserer Beteiligung an Horizont 2020 erzielt, dem Rahmenprogramm der EU für Forschung und Innovation, das die Verbesserung biopharmazeutischer Aufreinigungsverfahren (Downstream Processing) zum Gegenstand hat. Das nextBioPharmDSP, ein Konsortium aus sieben Organisationen, entwickelt einen effizienteren, kostengünstigeren und umweltfreundlicheren Aufreinigungsprozess für die Herstellung von monoklonalen Antikörpern und Biosimilars. Die Biotechbranche ist dem Druck ausgesetzt, Herstellungskosten zu senken, die Effizienz zu steigern und dabei umweltbewusst zu sein. Im Rahmen des Programms Horizont 2020 erzielen die Mitglieder des Konsortiums bereits wichtige Fortschritte im Bereich der Aufreinigungsverfahren.

Mit der Unterzeichnung einer Absichtserklärung im November haben wir außerdem unsere strategische Allianz mit Samsung BioLogics ausgeweitet. Ziel der Allianz ist es, die Prozessentwicklung und Herstellung klinischer Materialien bei kleinen Biotech-Start-ups mit Fokus auf die Entwicklung neuartiger Arzneimittel – für die Samsung BioLogics als Auftragshersteller agiert – zu beschleunigen. Die neue Absichtserklärung ist die Erweiterung einer 2014 unterzeichneten Absichtserklärung über eine langfristige Liefervereinbarung, gemäß derer wir Ausgangsmaterialien für die biotechnologische Herstellung bereitstellen.

Bedürfnisse unserer Kunden bedienen

Wir haben unsere BioReliance® Biodevelopment Center in Nordamerika, China und Europa mit ihrem Angebot an Komplettlösungen ausgebaut. Damit begegnen wir der gestiegenen Kundennachfrage nach deren Portfolio an gebrauchsfertigen Produkten für biotechnologische Verfahren, Produktionskapazitäten und branchenführendem technologischen Fachwissen. Der Ausbau, im Zuge dessen zwei neue Prozessentwicklungszentren in den USA und China eröffnet wurden, erfolgte aufgrund des wirtschaftlichen Erfolgs unseres Biodevelopment Centers in Martillacc (Frankreich). Die beiden neuen Anlagen bieten ein Komplettangebot an Kapazitäten und Serviceleistungen für die Prozessentwicklung, einschließlich Dienstleistungen für die Zelllinienentwicklung, die Entwicklung von Upstream- und Downstream-Prozessen sowie die klinische Produktion ohne GMP-Anforderungen. Das Zentrum in den USA wird 2018 für Kunden öffnen.

Die Kooperation mit Angiex Inc. mit Sitz in Cambridge (Massachusetts, USA) wird das erste Projekt am neuen BioReliance® End-to-End Biodevelopment Center für Komplettlösungen in den USA sein. Wir sind die Zusammenarbeit mit Angiex Inc. eingegangen, um die Klinireife einer neuen Krebstherapie zu beschleunigen. Unser Ziel ist es, das Biotechnologie-Start-up dabei zu unterstützen, seinen am weitesten entwickelten Antikörperwirkstoffkandidaten für die Onkologie schneller in die klinische Anwendung zu bringen, indem wir Angiex den Zugang zu End-to-End-Prozessentwicklungstools, Weiterbildungsprogrammen und Schulungen ermöglichen.

Performance Materials

Wir sind der unangefochtene Markt- und Technologieführer bei Flüssigkristallen (Liquid Crystals, kurz LCs) und Photoresist-Materialien, die vor allem in Fernsehgeräten und in der mobilen Kommunikation Anwendung finden. Zudem zählen wir zu den führenden Anbietern von OLED-Materialien sowie von dekorativen und funktionellen Effektpigmenten. Materialien für integrierte Schaltkreise runden das Portfolio ab.

Display Materials

Wir haben mit unseren Kunden, den Displayherstellern, weiter daran gearbeitet, die leistungsfähigsten Flüssigkristalltechnologien fortzuentwickeln. Die systematische Einführung neuer Flüssigkristallmaterialien und die Entwicklung leistungsfähigerer Flüssigkristallmischungen führte zu zahlreichen neu qualifizierten und vermarkteten Produkten für sämtliche Anwendungen, darunter großformatige Fernsehgeräte, öffentliche Informationsdisplays sowie Mobilgeräte und Anwendungen für den Automobilbereich. Wir haben neue Formulierungen für Fotolacke entwickelt und auf den Markt gebracht, die bei der Herstellung von Dünnschichttransistor-Rückwandplatinen für LC- und OLED-Displays zum Einsatz kommen. Unsere hochauflösende Fotolacktechnologie ist insbesondere bei der komplexeren und anspruchsvollen elektronischen Strukturierung von Bedeutung, die für immer höher auflösende Displays erforderlich ist. Unsere innovative Flüssigkristalltechnologie UB-FFS (Ultra-Brightness Fringe-Field Switching) ist im Bereich der Displays für Mobilgeräte auch gewachsen. Die UB-FFS-Technologie ist für mobile Anwendungen angesichts der Nachfrage nach hochauflösenden Smartphones und Tablets sehr attraktiv, da sie die höchste Lichteffizienz bei immer kleiner werdenden Pixeln bietet. Darüber hinaus entwickelten wir diese energiesparende Technologie für größere Displayanwendungen wie Fernsehgeräte und öffentliche Informationsdisplays weiter, da die hohe Lichteffizienz insbesondere bei Displays mit höchster Auflösung, zum Beispiel 8K, ihren Nutzen entfaltet.

Unsere neue Flüssigkristalltechnologie SA-VA (Self-Aligned Vertical Alignment) ist umweltfreundlich und ressourcenschonend; bei der Produktion wird im Vergleich zu konventionellen Modi weniger Energie benötigt und es fallen weniger Abfallprodukte an. Die Materialien und den Prozess haben wir im Rahmen enger technischer Partnerschaften entwickelt. Zudem ermöglicht die Technologie einen effizienteren Displayherstellungsprozess und könnte den Displayherstellern Möglichkeiten eröffnen, Design-Funktionalitäten zu verbessern. SA-VA kann potenziell in sämtlichen Displayanwendungen zum Einsatz kommen, einschließlich Mobil- und IT-Anwendungen, aber vor allem in großflächigen Fernsehgeräten. Wir erwarten erste Produkte in Anwendungen mittlerer Größe und gehen davon aus, dass die Technologie rasch in großflächigen und Premium-TV-Anwendungen Einzug hält. Wir haben zudem weitere Fortschritte bei der Entwicklung neuer Flüssigkristalltechnologien erzielt, die frei formbare Displays ermöglichen. In diesem Bereich suchten wir nach Möglichkeiten, das bisher in LC-Displays verwendete dünne Glas durch kostengünstige Kunststoffsubstrate zu ersetzen. Gemeinsam mit Displayherstellern in Asien arbeiten wir an einer Optimierung der Materialien und des Herstellungsprozesses für unsere innovative Polymerwand-LC-Technologie. Sie soll robuste und biegsame Kunststoffdisplays ohne Defektmuster ermöglichen, die typischerweise auftreten, wenn Druck auf das Display ausgeübt oder dieses gebogen wird.

Über klassische Displays hinaus haben wir Flüssigkristalle unter dem Markennamen Licrivision™ verstärkt als innovatives Material für Fenster in Architektur- oder Automobilanwendungen positioniert. Derzeit konzentrieren wir uns auf drei Varianten: eine Sonnenschutz-, eine Blendschutz- und eine „Privacy‟-Variante, bei der die Fenster auf Opak schalten. Ende November haben wir unsere erste Produktionsanlage zur Herstellung von schaltbaren Flüssigkristallfenster-Modulen in Veldhoven in den Niederlanden eröffnet. Zudem stellten wir unsere Flüssigkristallfenster-Technologie für Sonnendächer im Automobilbereich auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt vor. Weiterhin vorangetrieben haben wir die Entwicklung von „smarten Antennen”, die ebenfalls in der Automobilbranche eingesetzt werden können. Durch eine dünne funktionale Schicht aus Flüssigkristallen kann die Antenne elektronisch auf einen Satelliten ausgerichtet werden, ohne dass das Gerät mechanisch bewegt werden muss. Einen intelligenten Autoscheinwerfer auf Basis eines LC-Displays haben wir zusammen mit dem Licht- und Elektronikexperten Hella und anderen Partnern entwickelt. Mit insgesamt 30.000 Pixeln kann das Lichtbild intelligent, stufenlos und in Echtzeit an verschiedene Fahrsituationen angepasst werden. Die entwickelte Technologie soll von Hella zur Serienreife gebracht werden.

Um die Entwicklung von sogenannten Free-Form-Displays zu beschleunigen, kooperiert Merck mit dem britischen Unternehmen FlexEnable, das im Bereich der formbaren, großflächigen, vollfarbigen und videofähigen organischen Flüssigkristalldisplays (LCDs) auf Kunststoff-Substraten tätig ist. Mit einem Biegeradius, der unter 30 Millimetern liegen kann, können organische LCDs neue Marktanforderungen erfüllen, etwa für Automobilanwendungen, wo dünne, anpassbare und biegsame Displays gefragt sind. In naher Zukunft können organische LCDs sogar um komplexe Oberflächen und Formen gebogen werden, wenn unsere innovative Polymer-Wall-Technologie zur Anwendung kommt. Um neue digitale optische Anwendungen mit Flüssigkristallen zu entwickeln, haben wir im Mai eine fünfjährige Forschungskooperation mit der Universität Leeds geschlossen. Diese gehört zu den renommiertesten Forschungseinrichtungen für Flüssigkristallanwendungen in Großbritannien und hat sich zuletzt insbesondere mit Nicht-Display-Anwendungen wie etwa schaltbaren Kontaktlinsen einen Namen gemacht.

Integrated Circuit Materials

Materialien für Gasphasenabscheidung sind ein wachsendes Gebiet innerhalb unseres Geschäfts mit Halbleiter-Chemikalien. Aufgrund der ständig zunehmenden Herausforderungen bei der Chipherstellung werden immer mehr chemische Elemente in fortgeschrittenen Halbleiter-Herstellungsprozessen verwendet; oft wird dies ermöglicht durch die Technologie der Atomlagenabscheidung. Für die Abscheidung von Schichten, die häufig nur wenige Atome dick sind, werden neue Materialien benötigt, zum Beispiel Vorläufer-Chemikalien, die bei niedrigeren Temperaturen eingesetzt werden können und / oder die sich selektiv nur auf bestimmten Bereichen des Wafers abscheiden. Solche oberflächenselektiven Prozesse bringen die gewünschten Materialien automatisch an die richtige Stelle. Unseren Kunden bringt dies Vorteile, da sie kostspielige Photolithographie-Schritte umgehen und gleichzeitig automatisch Registrationsfehler vermeiden können.

Um unsere Kunden in Asien besser zu unterstützen, haben wir 2017 ein neues Forschungszentrum in Taiwan eröffnet, in dem wir Forschung auf den Gebieten der Atomlagen- und Gasphasenabscheidung für Halbleiter-Front-End-Anwendungen sowie von hochwärmeleitfähigen, ökonomisch nachhaltigen Hochleistungs-Sinterpasten für Chip-Verpackungsanwendungen betreiben. An unseren Standorten Shizuoka, Japan und Darmstadt (Deutschland) entwickeln wir innovative Dielektrika, die bei niedrigeren Anwendungstemperaturen eingesetzt werden können und daher für neuartige Chiptypen geeignet sind. Unsere Dickfilm-Photoresist-Technologie fand neue Anwendungen für die Herstellung von 3D-NAND-Speicherchips, die auf gleicher Fläche eine höhere Speicherkapazität als die konventionelle Planar-Technologie erzielen. Neben anderen Anwendungen werden solche Speicherchips der neuen Generation zunehmend in Festkörper-Speichern (solid state drives, SSDs) als Nachfolger der klassischen Festplatten eingesetzt.

Pigments und Functional Materials

Die außergewöhnlich hohe Farbsättigung und Brillanz von auf Aluminium-Plättchen basierenden Effektpigmenten der Marke Meoxal® findet immer breitere Anwendung in Automobil- und Kunststofflackierungen. Daneben wurde als jüngstes Mitglied der Xirallic® NXT-Reihe ein reines, blaustichiges Rotpigment mit außergewöhnlichem Sparkle-Verhalten für Automobillacke eingeführt – Xirallic® NXT Cougar Red. Weitere Pigment-Entwicklungen unterstützen den Markttrend hin zu achromatischen Lackierungen. Im Kunststoffbereich wurde die WAY-Reihe der wetterechten Pigmente für den Außeneinsatz durch das auffällig reine Silberweiß des Iriodin® 6163 WAY ergänzt. Für den Kosmetikbereich wurden im Zuge der Smart-Effects-Initiative sowohl neue Sparkle-Effekte als auch matte Effektpigmente erfolgreich im Markt eingeführt. Im Bereich Füllstoffe wurde das Portfolio um neue Formulierungen ergänzt, wie beispielsweise eine alkoholfreie Variante des Anti-Aging-Wirkstoffes RonaCare® CP5. Wir haben anhand von zwei- und dreidimensionalen Hautmodellen eine Technologie zur effizienten Beurteilung neuer Kosmetikwirkstoffe entwickelt. Besonders im Bereich der Wirksamkeitsprüfung von Naturstoffen erwarten wir, bereits 2018 zu marktfähigen Produkten zu kommen.

Im Bereich der technischen Anwendungen haben wir unsere Aktivitäten bei Additiven für 3D-Laser-Direktstrukturierung mit Fokus auf den 3D-Druck von Kunststoffen verstärkt und Laborprototypen mit unseren Partnern entwickelt. Diese wurden auf der Lasermesse 2017 in München und auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) 2017 vorgestellt. Die Laser-Additive ermöglichen es, dreidimensionale Bauteile computergesteuert zu erstellen, diese mit elektronischen Bauelementen zu bestücken und durch lasergestützt aufgebrachte Leiterbahnen zu verschalten. Wir erzielten zudem gute Fortschritte in der Hochspannungstechnik, wo wir im staatlich geförderten BMBF-Forschungsprojekt „iShield‟ mit universitären und industriellen Partnern ein neuartiges Material für die Schirmung von Generatoren und Motoren entwickeln und derzeit qualifizieren lassen.

Weiterentwickelt haben wir unsere Produktreihe der Fluortenside, die sich auch aufgrund ihres positiven ökotoxikologischen Profils stark von ihren Mitbewerbern abhebt. Anfang 2017 wurde mit Tivida® FL 3000 das Portfolio im Bereich nicht-ionischer Tenside erweitert. Schon in sehr geringen Konzentrationen bewirkt es eine signifikante Verbesserung des Verlauf- und Benetzungsverhaltens von Lacksystemen.

Advanced Technologies

Unsere Material- und Technologieentwicklung im Bereich der flexiblen Displays erreichte 2017 wesentliche Fortschritte. So zeigten wir mit strategischen Partnern auf namhaften Industriemessen Prototypen, die die Einsatzreife unsere Materialien und der damit verbundenen Technologien demonstrierten. Anlässlich der Branchenmesse SID Display Week berichteten wir im Mai zudem über die Entwicklung von Drucktinten. 2017 zeigten unsere gedruckten roten, grünen und blauen Schichten erstmals vergleichbare Effizienzwerte wie in der Aufdampf-Technologie. Damit lassen sich zukünftig flexible oder aufrollbare Bildschirme herstellen, etwa für Automobilanwendungen oder großflächige Displays. Gedruckte Displays erreichen mehr Helligkeit und eine verbesserte Energieeffizienz. Im Bereich der reflektiven Displays gewann unser Partner Clearink Displays den prestigeträchtigen Preis für „Best in Show‟ auf der SID 2017. Um auf den wachsenden Bedarf aus der Industrie für unsere innovativen Materiallösungen zu reagieren, haben wir damit begonnen, in den Forschungs- und Entwicklungsstandort in Chilworth (UK) zu investieren und folglich die Laborkapazität zu erhöhen.

Im Bereich „Electronic Packaging‟ haben wir unsere Forschungsaktivitäten gestärkt, indem wir uns an einem vom Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration in Berlin geleiteten Konsortium beteiligt haben. Die Material- und Technologieentwicklung auf dem Gebiet der Hybridelektronik treiben wir weiter voran. Auf der Messe LOPEC 2017 im März in München zeigten wir den Prototyp eines flexiblen Displays, das aus einem Backplane mit organischen Dünnschichttransistoren sowie Flüssigkristallen von Merck aufgebaut wurde. Der Entwicklung dieser Technologien wird Merck auch weiterhin großes Augenmerk widmen. Mehrere Leuchtturmprojekte zeigten 2017 die Vielfältigkeit der druckbaren organischen Solarzellen (OPV). So bieten zum Beispiel OPV-Module, die in eine Glasfassade in São Paulo (Brasilien) integriert sind, Verschattung, innovatives Design und Energieeffizienz. Ein neuartiges Fassadenkonzept, das OLED und OPV-Modul-Design mit Funktionalität verbindet, präsentierten wir bei der Biennale of Architecture and Urbanism in Seoul (Korea). Das wachsende Interesse von Architekten an diesem innovativen Baumaterial zeigte sich beim Innovationspreis Architektur und Bauwesen, den die OPV auf der BAU 2017, der Weltleitmesse für Architektur, gewann. Der kommende Technologietrend im LED-Beleuchtungsmarkt – „Human Centric Lighting‟ (HCL) – stellt die Gesundheit und das Wohlbefinden des Menschen in den Mittelpunkt der Lichtplanung. Eindrucksvoll bestätigt wird dieser Trend durch den diesjährigen Nobelpreis für Medizin, der für die Entdeckung molekularer Mechanismen in der circadianen Uhr vergeben wurde, die insbesondere von Licht beeinflusst wird. Unsere Produktentwicklungen adressieren gezielt diesen aufstrebenden Markt der HCL-LED-Beleuchtung. Auch Mikro-LED-Displays finden derzeit große Beachtung. Ausgehend von unserem breiten Portfolio für die LED-Industrie, haben wir unseren Kunden bereits erste Materialien für diese neue Anwendung zur Verfügung gestellt.

Strategische Neuausrichtung

Wir möchten unseren Fokus 2018 noch stärker auf die Bedürfnisse unserer Kunden und Märkte ausrichten. Deshalb haben wir im Dezember 2017 angekündigt, unsere Expertise in drei neu gestalteten Geschäftseinheiten zu bündeln, die nach unseren Zielmärkten aufgestellt sind: Display Solutions, Semiconductor Solutions und Surface Solutions. Zukünftig werden alle Aktivitäten rund um Forschung, Geschäftsentwicklung und externe Partnerschaften zu einer zentralen Forschungs- und Innovationseinheit zusammengefasst.